Über die Grenzen von Scham : eine qualitative Studie zu (scham-) grenzüberschreitenden Situationen im Sportunterricht aus der Perspektive von Schüler/innen

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Bibliographic Details
Author:Hunger, Ina; Böhlke, Nicola
Published in:Forum qualitative Sozialforschung
Published:18 (2017), 2, Art.-ID 2, [24 S.], Lit.
Format: Publications (Database SPOLIT)
Publication Type: Journal article
Media type: Electronic resource (online)
Language:German, English
ISSN:1438-5627
Keywords:
Online Access:
Identification number:PU202007005228
Source:BISp

Author's abstract

Das Unterrichtsfach Sport stellt wie kein anderes die Körperlichkeit in den Fokus der Aufmerksamkeit aller am Unterricht Beteiligten: Im Sportunterricht ist der Körper der Schüler/innen Ausgangspunkt von unterrichtlichen Handlungen und Bezugspunkt von Bewertungen: Er wird berührt, beobachtet und in Szene gesetzt; die Schüler/innen messen gegenseitig ihre juvenilen Körper an normativen Kriterien wie Gewicht, Proportionalität, Fitness etc. Vor diesem Hintergrund scheint der Sportunterricht auch ein besonderes neuralgisches Potenzialfür das Erleben von (Scham-) Grenzen überschreitenden Situationen zu bergen. In diesem Beitragfokussieren wir auf eine Untersuchung zum Unterrichtsfach Sport, welche retrospektiv nach Situationen im Sportunterricht fragte, die von Schüler/innen als die eigene Scham- oder Intimgrenze überschreitend wahrgenommen wurden. Die Datenerhebung erfolgte mithilfe vonschriftlichen Kurznarrationen, die Auswertung orientierte sich an sequenzanalytischen Verfahren. Die Befunde zeigen, dass aus der Sicht von Schüler/innen Scham- oder Intimgrenzen im Kontextvon Sportunterricht in vielfältiger Weise überschritten werden: durch die Tatsache der Exponierung des (fast nackten) Körpers im Schwimmunterricht, die regelmäßige Berührung des Körpers durch die Lehrkraft u. Ä. Dabei besteht aufseiten der Schüler/innen ein Wissen darüber, dass die als grenzüberschreitend erlebten Situationen prinzipiell didaktisch plausibilisiert oder durch den Verweis auf Gepflogenheiten im Sport als "normal" gekennzeichnet werden könn(t)en. An die Darstellung der Befunde schließt sich ein didaktisch bilanzierender Ausblick an.

Author's abstract

More than any other subject, teaching physical education focuses all the participants'attention on physicality: the students' bodies are at the center of instructional activities and thereference point of evaluations; the body is touched, observed, and enacted; students compare eachother's juvenile bodies along normative criteria such as weight, proportionality, and fitness. Againstthis backdrop, physical education also seems to carry a neuralgic potential for experiencing situations that involve an overstepping of boundaries of shame. This article focuses on a study ofphysical education in school that retrospectively inquired into situations in physical education that students perceived as overstepping their boundaries of shame or intimacy. The data was collected by means of short written narrations and analyzed using methods of sequential analysis. Thefindings show that, from the students' point of view, boundaries of shame are transgressed invarious ways within the context of physical education: by exposing the body in swimming lessons,the regular touching of the body by the teacher, and so forth. The students are aware that the situations that they perceived as overstepping their boundaries can in principle be explained on didactic grounds or be characterized as "normal" by reference to common practice in sports.