Spielsysteme in der Fußball-Bundesliga

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Author:Littkemann, Jörn; Kleist, Sebastian
Published in:Sportmanagement : der Profi-Fußball aus sportökonomischer Perspektive
Published:Münster: Hofmann (Verlag), 2002, S. 195-212, Lit.
Format: Publications (Database SPOLIT)
Publication Type: Compilation article
Media type: Print resource
Language:German
Keywords:
Online Access:
Identification number:PU200211003233
Source:BISp

Abstract

Seit der Einführung der Fußball-Bundesliga im Jahr 1963/64 ist die Frage weitgehend unbeantwortet, welche Art von Spielsystem nachhaltig einen positiven Einfluss auf den Spielausgang ausübt. Während in den Anfangsjahren eher mit offensiv ausgerichteten Spielsystemen wie z.B. dem 3-4-3-System gespielt, so beherrschten in den folgenden Spielzeiten eher weniger offensiv ausgerichtete Systeme wie z.B. das 4-4-2-System das Spielgeschehen. In der jüngsten Vergangenheit greifen allerdings einige Mannschaften wieder auf offensiver ausgerichtete Systeme zurück. Im deutschen Fußball ist nicht zuletzt seit der Zeit Franz Beckenbauers die Frage des Spielsystems stark mit der Frage verknüpft, ob im Abwehrbereich mit einem Libero agiert werden soll. Bis weit in die 90er Jahre hinein wurde in der Bundesliga fast aus-nahmslos mit einem Libero gespielt. In den letzten Spieljahren ist jedoch eine zu-nehmende Zahl von Mannschaften dazu übergegangen, die Liberoposition aufzulösen und seine speziellen Aufgaben auf mehrere im Abwehrverbund tätige Spieler zu verteilen (Abwehrkette). Ziel der vorliegenden Untersuchung ist es, einen Beitrag zur Klärung des Problems der Spielsysteme zu leisten. In diesem Zusammenhang geht es konkret um folgende Fragen: 1. Welche Spielsystemvarianten finden in Bundesligaspielen Anwendung und wie erfolgreich sind sie? Wie stark variieren die Leistungen einzelner Mannschaftsteile in Bundesligaspielen? 2. Hat die Art des gewählten Spielsystems einen Einfluss auf die Spielerleistung? 3. Unter welchen Bedingungen kommt es während eines Spiels zu Anpassungsprozessen im Spielsystem? Die Untersuchung basiert auf Daten einer vom Kicker-Sportmagazin durchgeführten Analyse von insgesamt 306 Bundesligaspielen während der Saison 2000/01. Die Spielanalyse erstreckte sich nicht nur auf die Zusammenfassung der statistischen Daten eines Spiels (z.B. das Spielergebnis), sondern bezog sich auch auf die von den jew. Mannschaften praktizierten Spielsysteme. Die Ergebnisse der Analyse belegen, dass der Erfolg in Fußball- Bundesligaspielen nur relativ schwach von der Wahl einer bestimmten Spielsystemvariante abhängt. Die Wahl eines "optimalen" Spielsystems und adäquate Umstellungen scheinen bestenfalls eine notwendige Erfolgsbedingung darzustellen. Da der Schlüssel für den Erfolg in einem Bundesligaspiel in erster Linie daran zu liegen scheint, die Spieler zu einer überdurchschnittlichen Leistung anzutreiben, scheint ausgehend vom gewählten Spielsystem vielmehr der Motivator gefordert. Dabei kommt einerseits der Auswahl der sportlichen Führung, insbesondere der Wahl des Cheftrainers, eine wichtige Bedeutung zu. Andererseits kommt man im professionellen Fußball aufgrund der Komplexität der sportlichen Aufgaben nicht darum herum, die unterschiedlichen Funktionen auf mehrere Trainer zu verteilen. Für die Spieler muss allerdings eindeutig hervorgehen, wer von den Trainern hauptverantwortlich für die zentralen spielbezogenen Entscheidungen ist. Schiffer