„Stark gegen den Krebs“ – Effekte einer zwölfwöchigen Krafttrainingsintervention auf körperliche und psychische Parameter von Brustkrebspatientinnen während der Chemotherapie

Saved in:
Bibliographic Details
Author:Leskaroski, Alexandra
Published:Köln: 2013, 142 S., Lit.
Research institution:Universität Köln / Medizinische Fakultät
Notes:Köln, Univ., Diss., 2013
Format: Publications (Database SPOLIT)
Publication Type: Book
Media type: Electronic resource (online) Print resource
Document Type: Doctoral thesis Grey literature
Language:German
Keywords:
Online Access:
Identification number:PU201507005973
Source:BISp

Author's abstract

Umfassende Einschränkungen der psychischen und physischen Leistungsfähigkeit begleiten die Diagnose Brustkrebs. Sowohl die Therapie selbst als auch die Konfrontation mit einer potentiell lebensgefährlichen Krankheit führen zu einem Rückgang der Lebensqualität, zur zunehmenden Inaktivität und sozialen Isolation sowie zur Abnahme der körperlichen Leistungsfähigkeit. Viele Tumorpatienten klagen darüberhinaus noch Jahre nach Abschluss der Therapie über Gedächtnis-, Konzentrations- und Wortfindungsstörungen. Zahlreiche Studien legen einen positiven Effekt körperlicher Bewegung auf Fatigue-Symptomatik und körperliche Fitness bei Krebspatienten nahe. Dabei zeigte sich, dass Krafttraining mit seiner anabolen Komponente besonders geeignet ist den Muskelabbau bei einer Tumorkachexie aufzuhalten und sogar umzukehren. Die hier vorgestellte Arbeit untersucht als eine der ersten überhaupt die Effekte eines strukturierten und kontrollierten Krafttrainingsprogramms auf Lebensqualität, Kognition, Fatigue-Symptomatik, Erythrozytenflexibilität und Muskelkraft bei Brustkrebspatienten die sich einer Chemotherapie unterziehen. Dabei wurden die Probandinnen bereits sechs Wochen nach der Operation bei adjuvanter bzw. sofort nach der Diagnostik bei neoadjuvanter Therapie in das Projekt eingebunden. In drei Teil-Projekten wurden insgesamt 42 Brustkrebspatientinnen rekrutiert, von denen 30 parallel zur Chemotherapie ein zwölfwöchiges Krafttrainingsprogramm absolvierten. Es handelte sich um ein Kooperations-Projekt zwischen der Klinik für Frauenheilkunde der Universität zu Köln und der Deutschen Sporthochschule Köln. Die Probandinnen trainierten zwei mal wöchentlich unter sportmedizinischer Begleitung bei einer Belastung von 70-75% MVC. Zwölf Teilnehmerinnen bildeten eine Kontrollgruppe. Vor und nach dem Programm erfolgte eine Muskelkraftmessung mit dem isokinetischen Kraftmesser Isomed 2000. Lebensqualität und Fatigue wurde mittels EORTC QLQ-C30, dem brustkrebsspezifischen Modul EORTC BR23 sowie dem MFI-Fragebogen evaluiert. Die Messung der Erythrozytenflexibilität erfolgte mittels Laserdiffraktoskopie. Zur Erfassung der kognitiven Veränderungen verwendeten wir den d2-Aufmerksamkeitstest, den Memo-Gedächtnistest sowie den Wilde Intelligenz-Subtest (WIT). Das Level an körperlicher Aktivität zeigte keinen signifikanten Unterschied zwischen den Gruppen (p=0,693). 18,2% der Teilnehmerinnen der IG und 16,7% in der KG waren zu wenig körperlich aktiv. Die vor und nach dem Trainingsprogramm durchgeführte Messung der Muskelkraft zeigte einen Erhalt bzw. eine Steigerung des Kraftniveaus innerhalb der Interventionsgruppe, während es in der Kontrollgruppe fast durchwegs zu einer Abnahme der Werte kam. Im Gruppenvergleich ergaben sich für den Interaktionsfaktor Zeit signifikante Werte für den rechten Arm (p= 0,005), den linken Arm (p = 0,025) sowie das rechte Bein (p= 0,001). Die Funktions-Scores des EORTC zeigten eine zum Teil deutliche Verbesserung innerhalb der IG, während die Werte innerhalb der KG deutlich abnahmen, so dass sich teilweise hochsignifikante Gruppenunterschiede ergaben („GQoL“: p= 0,001, „fatigue“: p= 0,000). Über den Interventionszeitraum hinweg stiegen die Fatigue-Scores der KG, an während die Scores innerhalb der IG leicht absanken. Im Gruppenvergleich zeigten sich signifikante Unterschiede für die Dimensionen „General Fatigue“ (p= 0,01), „Physical Fatigue“ (p= 0,002), „Reduced Activity“ (p= 0,018) und „Mental Fatigue“ (p= 0,015). Eine Zunahme der Muskelkraft korrelierte signifikant oder zumindest tendenziell positiv mit einer Steigerung der Lebensqualität („physical functioning“/Isokinetische Messung re. Bein: r= 0,439; p= 0,011). Dagegen korrelierte eine Zunahme der Fatigue-Symptomatik (Dimensionen „General Fatigue“ (MFI) und QLQ-C30 „fatigue“-Score) negativ mit einer Zunahme der Muskelkraft („Ge-neral Fatigue“/Isokinetische Messung re. Bein: r= -0,489; p= 0,004). Sowohl in der IG als auch in der KG nahm der Elongationsindex als Indikator der Erythrozytenflexibilität über den Projektzeitraum ab. In der IG waren die Abnahmen bei beden Scherwerten signifikant (p bei 0,30 Pa= 0,034; p bei 50 Pa= 0,001), in der KG kam es nur zu tendenziellen Abnahmen. Für die kognitive Leistung zeigten sich signifikante Verbesserungen im prä-post Vergleich innerhalb der Interventionsgruppe bei allen drei Tests (d2-Test: p= 0,000; Me-mo-Test: p= 0,002; WIT: p= 0,003), für den Faktor Zeit x Gruppe ergab sich ein statistisch relevanter Gruppenunterschied zu Gunsten der Interventionsgruppe bei den Tests d2 (p= 0,001) und WIT (p= 0,022). Der „fatigue“-Score des QLQ-C30 war signifikant negativ korreliert mit den Ergebnissen des d2-Aufmerksamkeitstests (r = -0,390; p= 0,028) und des WIT (r = -0,402; p= 0,022). Dagegen korrelierte ein Anstieg der Lebensqualität auch mit einer Verbesserung der Leistungsmenge des d2-Aufmerksamkeitstests (r= 0,409; p= 0,020) sowie den Ergebnissen des WIT (r= 0,390; p= 0,027). Die erfreulichen Ergebnisse des vorliegenden Projektes belegen den positiven Effekt eines reinen Krafttrainingsprogrammes bereits parallel zur Chemotherapie. Das Programm führte zur Verbesserung der Lebensqualität, zur Minderung der Fatigue-Symptomatik sowie dem Erhalt bzw. der signifikanten Steigerung der Muskelkraft. Darüber hinaus konnten wir eine Verbesserung der kognitiven Leistungsfähigkeit nachweisen. Um über diese ersten Ergebnisse hinaus die Rolle von Krafttraining als supportive Maßnahme weiter zu bestätigen, sollten randomisierte Studien mit größeren Probandinnenzahlen nachfolgen. Limitiert wird die Aussage des vorliegenden Projektes vor allem durch die relativ geringe Probandinnenzahl sowie dem im Verhältnis zum durchschnittlichen Erkrankungsalter der Normalpopulation (64 Jahre) deutlich niedrigeren Durchschnittsalter der Probandinnen. Verf.-Referat