Leibliches Verstehen : zur sozialen Relevanz des Spürens

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Bibliographic Details
Author:Gugutzer, Robert
Published in:Soziale Ungleichheit, kulturelle Unterschiede : Verhandlungen des 32. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Soziologie in München 2004; Teilbd. 1 und 2
Published:Frankfurt a.M.: Campus-Verl. (Verlag), 2006, S. 4536-4546, Lit.
Format: Publications (Database SPOLIT)
Publication Type: Compilation article
Media type: Electronic resource (online) Print resource
Language:German
Keywords:
Online Access:
Identification number:PU201202000527
Source:BISp

Abstract

Das Spüren des eigenen Körpers ist ein in der Soziologie bislang wenig beachtetes Phänomen. In der Mainstream-Soziologie nahezu überhaupt nicht zur Kenntnis genommen, finden sich zumindest im Feld der Soziologie des Körpers inzwischen einige AutorInnen, welche die gesellschaftliche Bedeutung des Spürens hervorheben. Sie verwenden dafür vor allem leibphänomenologische Ansätze, um die soziale Relevanz des Spürens in Begriffen wie 'leiblich-affektives Betroffensein', 'leibliches Wissen', 'Spürsinn' oder 'Gespür für die Situation' zu verdeutlichen. Sie zeigen damit, dass Sozialität keineswegs Resultat ausschließlich rational handelnder Individuen, sondern mindestens so sehr auch Ergebnis der Wechselwirkungen eigenleiblicher Erfahrungen ist. Für die allgemeine Soziologie sind die Erkenntnisse der leibphänomenologischen Arbeiten aus dem Bereich der Soziologie des Körpers insofern von Bedeutung, als sie dazu beitragen, einige zentrale Kategorien der Soziologie neu zu definieren. Diese Neudefinition besteht generell darin, den rationalistischen Bias in der Soziologie zu korrigieren, indem die sinnlich-spürenden Dimensionen sozialen Handelns und sozialer Ordnung aufgezeigt werden. In dem Vortrag soll beispielhaft anhand der beiden Konzepte des 'leiblichen Verstehens' und 'leiblichen Interagierens' die soziologische Relevanz des Spürens verdeutlicht werden. Verf.-Referat