Erprobungen der altpalädolithischen Wurfspeere von Schöningen

Titel: Erprobungen der altpalädolithischen Wurfspeere von Schöningen
Autor: Golek, Miriam; Rieder, Hermann
Zeitschriftentitel: Stadion : internationale Zeitschrift für Geschichte des Sports
Format: Zeitschriften­artikel
Medienart: Gedruckte Ressource
Sprache: Deutsch
Veröffentlicht: 25 (1999), S. 1-12, Lit.
Schlagworte: Jagdwaffe; Kultursoziologie; Speerwurf; Sportgeschichte; Wurfgerät;
Erfassungsnummer: PU200208002324
Quelle: BISp
Gespeichert in:

Abstract

Die acht relativ gut erhaltenen hölzernen Wurfspeere aus dem Altpaläolithikum, die ab Anfang der achtziger Jahre in Schöningen im Nordharzvorland gefunden wurden, sind die ältesten Speere der Menschheit und somit von großer Bedeutung. Der Nachbau und die Erprobung dieser Wurfgeräte lassen Rückschlüsse auf den sozialen und kulturellen Entwicklungsstand des Homo erectus und auf seine Jagdsituation zu. In Versuchen zu den Flugeigenschaften der Speere hat sich gezeigt, dass die altpaläolithischen Menschen wahrscheinlich erstmals in der Geschichte der Menschheit eine gut organisierte Gruppenjagd durchgeführt haben. Die Holzspeere waren für damalige Verhältnisse optimal für eine Jagd konstruiert und eigneten sich dazu, ein Tier auch von der Größe eines Wildpferdes zur Strecke zu bringen. Dabei wurde die Beute wahrscheinlich nicht gleich getötet, sondern das getroffene Tier verfolgt, bis es verblutete. Die Schöninger Speere bedeuteten für den Homo erectus vermutlich einen entscheidenden Entwicklungssprung, denn er musste nun nicht mehr "von der Hand in den Mund" leben, sondern konnte sich auf sein Jagdglück verlassen. Verf.-Referat

Abstract

The eight relatively well-preserved wooden javelins from the early-Palaeolithic period, which were found in Schöningen in the foothills of the Northern Harz Mountains from the early 1980s onwards, are humankind's oldest spears and are therefore of great significance. The replicas produced of these spears and their testing allow conclusions to be made as to the social and cultural development level of Homo erectus and his hunting situation. Tests on the flying characteristics of the javelins revealed that early-Palaeolithic man was probably the first in human history to carry out well-organised hunting in groups. The wooden javelins were ideally-designed for hunting under the prevailing conditions of the time and were capable of downing animals even of the size of a wild horse. It is likely that the prey was not directly killed; rather the hunters had to pursue the injured animal until it eventually bled to death. The Schöningen javelins probably represented a decisive development leap for Homo erectus, since it was no longer necessary "to live from hand to mouth"; rather he could rely on his hunting fortune. Verf.-Referat

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