Ausgewählte Einflussfaktoren für die Entstehung von Übergewicht und Adipositas im Kindes- und Jugendalter - Ansätze für die Prävention : Analyse ausgewählter (ambulanter) Programme aus dem Raum NRW

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Bibliographic Details
Author:Eble, Susanne
Gutachter:Graf, Christine; Brixius, Klara
Published:Köln: 2018, XXXIII, 436 S., S. XXIX-XLIX, Lit.
Research institution:Deutsche Sporthochschule Köln / Institut für Bewegungs- und Neurowissenschaft
Notes:Köln, Dt. Sporthochsch., Diss., 2018
Format: Publications (Database SPOLIT)
Publication Type: Book
Media type: Electronic resource (online) Electronic resource (data carrier) Print resource
Document Type: Grey literature Doctoral thesis
Language:German
Keywords:
Online Access:
Identification number:PU201805003037
Source:BISp

Author's abstract

Hintergrund: Übergewicht und Adipositas bei Kindern und Jugendlichen bewegt sich in Deutschland mit ca. 15 Prozent auf einem hohen Niveau. Obwohl seit ca. seit 2004 ein Plateau dokumentiert ist, kann deshalb nicht von Entwarnung gesprochen werden, zumal bei den gefährdeten Zielgruppen weiterhin ein Anstieg zu verzeichnen ist. Übergewicht und Adipositas können bereits im jugendlichen Alter zu schwerwiegenden Begleit- und Folgeerkrankungen führen. Zudem bleiben viele adipöse Kinder auch als Erwachsene adipös, wobei die damit verbundenen gesundheitlichen Risiken mit steigendem Alter weiter zunehmen. Für die Betroffenen stellen Übergewicht und Adipositas somit ein ernst zu nehmendes Problem dar. Darüber hinaus verursachen die Begleit- und Folgeerkrankungen erhebliche Kosten im Gesundheitssystem. Als Ursachen spielen, neben einer genetischen Disposition und soziodemographischen Faktoren, Fehlernährung und Bewegungsmangel eine entscheidende Rolle. Aus Übergewicht und Bewegungsmangel resultieren überdies motorische Defizite, die wiederum Frust und weitere körperliche Inaktivität begünstigen und in einen Teufelskreis münden. Um der Verbreitung von Übergewicht und Adipositas im Kindes- und Jugendalter entgegenzuwirken, werden bundesweit zahlreiche Präventionsmaßnahmen umgesetzt. Evaluierte und publizierte Präventionsprogramme weisen teilweise zwar positive Effekte auf ernährungsbezogene Outcomes und das Bewegungsverhalten auf, jedoch kaum Effekte auf anthropometrische Maße. Die wenigen Erfolge sind meist nicht nachhaltig. Gerade die ersten Lebensjahre spielen in der Prävention von Übergewicht und Adipositas eine zentrale Rolle, da in dieser Zeit bedeutende Risikofaktoren geprägt werden und zahlreiche Risikofaktoren ausschließlich in dieser Lebensphase vermieden werden können.
Methodik: Analysiert wurden Daten aus zehn ambulanten Präventions- und Interventionsprogrammen, die unter der Federführung der Sporthochschule Köln durchgeführt wurden, sowie aus zwei weiteren Datenerhebungen. Insgesamt lagen ca. 13.000 Datensätze vor. Neben den Einflussfaktoren auf den BMI (BMI-SDS) wurden Einflussfaktoren auf die motorische Leistungsfähigkeit jeweils im Quer- und Längsschnitt untersucht.
Ergebnisse: Als Einfluss auf den Status quo des BMI/BMI-SDS zeigten sich die in der Literatur beschriebenen Determinanten, wie der Migrationshintergrund und das Gewicht der Eltern, besonders das der Mutter, sehr deutlich. Der Einfluss des SES, der Mediennutzungszeiten sowie der körperlichen Aktivität war eher heterogen, wobei die Literatur zu letzteren beiden ebenfalls sehr divergent ist. Meist werden diese Divergenzen methodisch begründet. Den stärksten Einfluss auf die motorische Leistungsfähigkeit, die als Marker für die körperliche Fitness gilt, hatte wiederum das Gewicht. Dies macht deutlich, dass die Determinanten sich wechselseitig beeinflussen, was wiederum eine eindeutige Zuordnung von Ursachen und Wirkungen erschwert. Während der Einfluss eines bestehenden Übergewichts oder gar einer Adipositas auf die motorische Leistungsfähigkeit im Vorschulalter noch nicht so ausgeprägt ist, zeigten die Daten, dass dieser mit zunehmendem Alter im Sinne eines Schereneffektes immer stärker wird. In den Verlaufsdaten der Kölner Programme konnten die Kinder im Vorschulalter (Ball & Birne, Kita fit und KiMo) in den Interventionsgruppen das Gewicht halten, während es in den Kontrollgruppen signifikant anstieg. In den Interventionen für das Grundschulalter (CHILT I, Gesundheit macht Schule, StEP TWO, FOG) war der prozentuale Gewichtszuwachs signifikant geringer als in den Kontrollgruppen. Das ist deshalb besonders hervorzuheben, da sich in der Literatur kaum Interventionen mit einem (positiven) Einfluss auf die anthropometrischen Daten finden. Die Entwicklung der motorischen Leistungsfähigkeit korrelierte im Untersuchungszeitraum wiederum sehr deutlich mit dem Gewicht, d. h., je übergewichtiger die Kinder waren, desto schlechter war deren motorische Entwicklung im untersuchten Zeitraum. Im jeweiligen Untersuchungszeitraum konnten alle Kinder ihre motorische Leistungsfähigkeit verbessern, aber mit signifikant besseren Ergebnissen in den meisten Interventionsgruppen. Hier profitierten besonders die übergewichtigen und adipösen Kinder – und diese wiederum, je jünger sie waren. So konnten die Kinder aus den Kindergartenprogrammen ihre motorischen Defizite binnen kurzer Zeit ausgleichen. Selbst bereits adipöse Kinder, die deutlich schlechter abschnitten als ihre normalgewichtigen Altersgenossen, schafften es innerhalb der halbjährigen Intervention fast, zu diesen aufzuschließen. Je älter die Kinder waren, desto schwieriger war es für sie, ihre motorischen Defizite gegenüber ihren normalgewichtigen Altersgenossen auszugleichen, womit sich der ohnehin bestehende Schereneffekt im weiteren Verlauf überproportional vergrößerte.

Author's abstract

Introduction: Overweight and obesity in children and adolescents in Germany amounts to about 15% of the population and is therefore highly prevalent. The risk is not averted yet. Even though it appears to be leveling since about 2004, there still happens to be an increase among high risk target groups. Overweight and obesity can lead to serious co-morbidities and secondary diseases even at a young age. Furthermore, many adipose children remain obese as grownups while the associated health risks further increase with age. Therefore, being overweight or obese amounts to serious problems for the people concerned. In addition, the developing co-morbidities and secondary diseases cause considerable costs in the healthcare system. Besides a genetic predisposition and sociodemographic factors an unhealthy diet and lack of physical activity are particular root causes. Overweight and insufficient activity lead to deficits in motor skills which in turn lead to frustration and ongoing physical inactivity. A vicious circle ensues. Nationwide, there are a lot of prevention programs to counteract overweight and obesity in children and adolescents. Evaluated and publicized prevention programs do show positive effects on nutrition-related outcomes and activity levels while showing almost no effects on anthropometric measures. There are few positive results that do not proof consistent. When it comes to preventing overweight and obesity, especially the first years of life prove to play a vital role. Major risk factors are being molded during these early years and many of them can only be averted during this phase of life.
Methods: The analyzed data was collected from 10 outpatient prevention and intervention programs led by German Sport University of Cologne, and two more data collections. All in all there were about 13.000 data sets. Besides the factors influencing the BMI (BMI-SDS) they tested those influencing cross-sectional and longitudinal motor skills.
Results: Determinants already described in literature, such as migrant background and weight of the parents (particularly that of the mother), highlighted a clear influence on the status of the BMI/BMI-SDS. The influence of SES, the amount of media use and physical activity was rather heterogeneous, however, literature available for the latter two reflects a high divergence. Usually, methodical definitions are found to interpret these divergences. Weight had the biggest influence on motor ability (the latter is seen a marker of fitness). This shows how the determinants influence each other while making it more difficult to clearly assign cause and effect. The data showed that overweight or even obesity during preschool age does not influence motor ability to a large extent - with increasing age, however, this influence intensifies, depicting a so-called scissor effect. According to the data analysis of the Cologne programs in the intervention groups (Ball & Birne, Kita fit and KiMo), preschool children were able to maintain their weight while that of children in control groups increased significantly. The interventions for children in primary school (CHILT I, Gesundheit macht Schule, StEP TWO, FOG) showed a significantly lower weight increase in percentage than in those of the control groups. This has to be emphasized particularly because literature shows almost no information about interventions with (positive) influence on anthropometric data.
During the evaluation period, development of motor ability correlated notably with weight, which means the more overweight the children, the worse proved their motor development during the time of the study. All children were able to improve their motor
skills, however, in most intervention groups they showed significantly better results. Particularly overweight and obese children benefitted more than the younger children. Thus, children participating in the kindergarten programs were able to adjust
their motor deficits within a short time span. Even obese children who initially showed slightly worse results than their normal-weight counterparts managed almost to catch up and achieve similar results during this half year long intervention. The older the
children, the more difficult it proved for them to adjust to the motor deficits they had in comparison to their normal-weight counterparts. The already existing scissor effect increased disproportionately during the course of the study.