Grundlagen gesundheitsorientierten Krafttrainings im Alter : Ziele und Umsetzung

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Bibliographische Detailangaben
Englischer übersetzter Titel:Health-related strength and power training in seniors : purpose and recommendations
Autor:Donath, Lars; Faude, Oliver; Bopp, Micha; Zahner, Lukas
Erschienen in:Therapeutische Umschau
Veröffentlicht:72 (2015), 5, S. 335-342, Lit.
Format: Literatur (SPOLIT)
Publikationstyp: Zeitschriftenartikel
Medienart: Elektronische Ressource (online) Gedruckte Ressource
Sprache:Deutsch
ISSN:0040-5930, 1664-2864
DOI:10.1024/0040-5930/a000684
Schlagworte:
Online Zugang:
Erfassungsnummer:PU201712010766
Quelle:BISp

Abstract des Autors

Insbesondere in westlichen Industrienationen ist eine zunehmende und anhaltende gesellschaftliche Überalterung festzustellen. Daraus resultieren immense medizinische Betreuungs- und Behandlungskosten mit hohen individuellen Gesundheitseinbußen und finanziellen Belastungen des gesamten Gesundheitssystems. Eine damit verbundene Zunahme altersspezifischer Erkrankungen und die altersbedingte Abnahme der kardiozirkulatorischen und neuromuskulären Leistungsfähigkeit werden als Hauptgründe einer erhöhten Pflegebedürftigkeit, Sturzanfälligkeit, Altersabhängigkeit und Lebensqualitätsminderung älterer Menschen diskutiert. Aus neuromuskulärer Sicht ist der natürliche Prozess des Alterns mit einem morphologischen und funktionellen Verlust der Leistungsfähigkeit der Skelettmuskeln (insbesondere der unteren Extremität) und einer damit verbundenen Verringerung der Maximal- und Schnellkraft verbunden. Dieser Kraftverlust weist eine wechselseitige Beziehung zur Muskelausdauer und Gleichgewichtsfähigkeit auf. Ältere und neuere Studien legen nahe, dass ein kombiniertes Kraft- und Gleichgewichtstraining die neuromuskuläre Leistungsfähigkeit (Maximal- und Schnellkraft) bedeutsam verbessert und das Sturzrisiko um bis zu 50 % gesenkt werden kann. Für den Erhalt der Maximalkraft und des Muskelvolumens wird ein Krafttraining bei 80 % des 1 RM (Einerwiederholungsmaximum; die Kraft, die einmal im Zyklus exzentrisch und konzentrisch überwunden werden kann) an 2 – 3 Tagen der Woche empfohlen. Jüngere Studien betonen zudem die Wichtigkeit eines Schnellkrafttrainings mit reaktiven Bewegungskomponenten und höheren Bewegungsgeschwindigkeiten bei vergleichsweise geringerer Last (20 bis 60 %, selten 75 – 80 % des 1 RM). Auch die Bedeutsamkeit von Rumpfkraft- und Rumpfstabilisationstraining wird zunehmend hervorgehoben. Der vorliegende Beitrag fast überblicksartig ausgewählte Befunde gesundheitsorientierter Krafttrainingsstudien im Seniorenalter zusammen. Daraus sollen Trainingsempfehlungen im präventiven, nicht-therapeutischen Setting für Senioren abgeleitet werden. Der Artikel zielt somit überwiegend auf Wirkungszusammenhänge verschiedener Krafttrainingsformen und den gesundheitsrelevanten Anpassungsreaktionen bei gesunden Senioren ab.

Abstract des Autors

The proportion of older people in western societies rapidly increases. Aging-induced disease conditions accompanied with declines in cardiocirculatory and neuromuscular performance constitute a major individual and economic health burden. Besides decreasing vascular and cardiac function during the process of aging, a loss of skeletal muscle mass, muscle structure and function seem to mainly account for decreasing maximal strength, strength development and strength endurance. These findings adversely interfer with static and dynamic postural control and may lead to an increased risk of falling with impairments of autonomy and quality of life. Traditional strength training recommendations basing on health-related exercise prescriptions for elderly people have been proven to counteract or at least attenuate aging-induced declines of neuromuscular muscular function. Multimodal and combined strength and balance training deliver additional improvements of neuromuscular capacity. Recent evidence additionally underpin the need of trunk muscle training and claimed for regimes considering explosive and high-velocity strength training in seniors. High quality RCTs revealed notable strength training effects on mobility, autonomy, quality of life and the reduction of the risk of falling (up to 50 %). Available evidence also indicates that various strength training regimes elicit preventive and therapeutic effects on osteoporosis, diabetes type 2 and other chronic diseases, with effect sizes comparable to medication intake. Thus, health care providers, health insurances, Employers' Liability Insurance Associations and politicians should promote infrastructural developments that enable feasible and cost-effective access to health-related fitness centers or other sport facilities (e. g. sport clubs). These environmental requirements should be embedded in multi-centric education programs and campaigns that might enable regularly conducted strength and endurance training perceived as beneficial and valuable from an individual health care perspective.