Zitatgymnastik und Pingpong-Diplomatie : zur Instrumentalisierung des Sports während der Kulturrevolution

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Bibliographic Details
Author:Leese, Daniel
Published in:Sport in China : Beiträge aus interdisziplinärer Sicht
Published:Köln: Sportverl. Strauß (Verlag), 2008, S. 65-88, Lit.
Format: Publications (Database SPOLIT)
Publication Type: Compilation article
Media type: Print resource
Language:German
Keywords:
Online Access:
Identification number:PU200808002549
Source:BISp

Abstract

Durch die weitgehende Zerschlagung der Strukturen des Parteiapparates während der chinesischen Kulturrevolution (1966-1976) erlitt die staatliche Förderung des Spitzensports einen drastischen Rückschlag und wurde erst im Rahmen der Aufnahme außenpolitischer Kontakte zu den USA wieder langsam intensiviert. Innenpolitisch gerieten der Leistungssport und seine politischen wie aktiven Vertreter in den Jahren 1966-71 unter generellen Revisionismus- oder Kapitalismusverdacht. Auf internationaler Ebene ist die beinahe völlige Abwesenheit chinesischer Delegationen vom zwischenstaatlichen Wettkampfgeschehen zu konstatieren. In der zweite Hälfte der Kulturrevolution (1971-1976) ist jedoch ein rasanter Anstieg sportlicher Vereinigungen auf lokaler Ebene festzustellen. Ein grundlegender Unterschied zu den Jahrzehnten vor und nach der Kulturrevolution ist allerdings im Hinblick auf die Zuschreibung der übergeordneten Bedeutung sportlicher Leistung zu konstatieren. Nicht die Glorifizierung individueller Hochleistung und deren Gleichsetzung mit der Überlegenheit des sozialistischen Systems wurde propagiert, sondern der Sport diente ebenso wie alle anderen Bereiche der Geselschaft der Zurschaustellung revolutionärer Gesinnung. Vor diesem Hintergrund vermittelt Verf. einen Überblick über die verschiedenen Phasen und Formen der Instrumentalisierung des Sports während der Wirren von Mao Zedongs (1893-176) „letzter Revolution“. Insgesamt betrachtet stellt die Kulturrevolution eine signifikante Abweichung von der Rolle des Sports in modernen Diktaturen, für die meist die Instrumentalisierung physischer Leistungsfähigkeit und des Wettkampfes als Ausdruck für die Stärke der Nation oder des politischen Systems typisch ist, dar. Im Widerspruch dazu durchbrach die Kulturrevolution die kontinuierliche Förderung des Leistungssports als Ausdruck nationaler Stärke. Statt dessen konzentrierte man sich auf die Förderung des Massensports auf nationaler Ebene und setzte den Leistungssport als Element der Kulturdiplomatie („Pingpong-Diplomatie“) auf internationalem Parkett ein. Schiffer (unter Verwendung wörtlicher Textpassagen)