Frankfurter Eintracht und FSV: 1933 endet eine "gute Ära"

Titel: Frankfurter Eintracht und FSV: 1933 endet eine "gute Ära"
Autor: Skrentny, Werner
Erschienen in: Davidstern und Lederball. Die Geschichte der Juden im deutschen und internationalen Fußball
Format: Sammelwerks­beitrag
Medienart: Gedruckte Ressource
Sprache: Deutsch
Veröffentlicht: Hildesheim: Verl. Die Werkstatt (Verlag), 2003, S. 131-152, Lit.
ISBN: 3895334073
Schlagworte: Antisemitismus; Deutschland; Diskriminierung; Fußballspiel; Jude; Judentum; Sportgeschichte; Sportsoziologie; Sportspiel; Sportverein;
Erfassungsnummer: PU200306001409
Quelle: BISp
Gespeichert in:

Abstract

Frankfurt am Main war nach Berlin die deutsche Stadt mit der größten jüdischen Gemeinde. Insofern ist es auch nicht verwunderlich, dass gleich in beiden führenden Fußballvereinen Frankfurts jüdische Bürger z.T. an sehr verantwortlicher Stelle mitwirkten. Das war so bei der Eintracht und beim Fußball-Sportverein, dem 1899 gegründeten FSV. Obwohl die jüdischen Mitglieder die Eintracht 1933 verließen, galt der Verein in der Öffentlichkeit offensichtlich weiterhin als "Judenklub", denn beim Qualifikationsspiel für die Endrunde um die Deutsche Meisterschaft 1933 gegen die SpVgg Fürth (1:0) in Saarbrücken sah sich der viermalige Internationale Hugo Mantel Anfeindungen ausgesetzt - man hielt ihn für einen Juden. Daraufhin teilte sein Verein in der "Fußball-Woche" vom 8.5.1933 mit, Mantel sei "arischer Abstammung". Teils rassistisch motiviert, teils aus Dummheit und Geschichtslosigkeit, wird die Eintracht bis heute als "Judenklub" bezeichnet. Noch wesentlicher als bei der Eintracht war das Wirken jüdischer Fußballfreunde beim zweiten großen Frankfurter Klub, dem FSV Frankfurt, für den der Zeitraum 1919 bis 1933 "die goldenen Jahre" bedeuteten, in denen die Schwarz-Blauen sechsmal Mainmeister, Deutscher Vizemeister 1925 und Südmeister 1933 wurden. Unter dem jüdischen Vorsitzenden David Rothschild wandelte sich der FSV von einer Frankfurter Lokalgröße zu einem deutschen Spitzenklub. Nachfolger von Rothschild, der den Verein 1929 verließ, wurde Alfred Meyers, ebenfalls Jude, ein Direktor der I.G. Farben, der inmitten der Weltwirtschaftskrise ein Projekt realisierte, dass man damals kaum für möglich gehalten hätte: den Bau des Stadions Bornheimer Hang. Alfred Meyers flüchtete 1933 in die USA, ebenso der Schatzmeister des Vereins, Siegbert Wetterhahn. Ab 1933 verzeichneten am Main wie auch anderenorts die jüdischen Vereine als letzter Zufluchtsort für sportliche Aktivitäten von Menschen jüdischen Glaubens eine enorme Zunahme. Anfang 1938 waren in Frankfurt 21 jüdische Fußballmannschaften aktiv, die vom TSV Schild, Bar Kochba, Hakoah, dem Jüdischen Turnerbund und der Schule Philanthropin gestellt wurden. Nach dem November-Pogrom endete allerdings vorerst auch in Frankfurt die Geschichte der jüdischen Sportvereine. Schiffer

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