Ansaetze und erste Ergebnisse des Trainings volitiver Prozesse in den Ausdauersportarten - am Beispiel des sportlichen Gehens

Saved in:
Bibliographic Details
Author:Kirchgässner, Helmut; Meissner, Antje
Published in:Leipziger sportwissenschaftliche Beiträge
Published:37 (1996), 1 , S. 105-135, Lit.
Format: Publications (Database SPOLIT)
Publication Type: Journal article
Media type: Print resource
Language:German
ISSN:0941-5270
Keywords:
Online Access:
Identification number:PU199707205927
Source:BISp

Author's abstract

Die Auswertungen der Wettkaempfe in den Ausdauersportarten im Olympiazyklus 1992/96, insbesondere der Weltmeisterschaften 1995 und der Olympischen Spiele 1996 in Atlanta, haben prinzipiell zwei Entwicklungstendenzen bestaetigt: 1. In fast allen ausdauerorientierten Sportarten bzw. Disziplinen ist eine zunehmende Leistungsdichte zu erkennen, so dass Siegleistungen und Medaillengewinne immer mehr von der aktuellen Tagesform abhaengig werden. Der zeitbezogene, oftmals nur geringe Vorteil im konditionellen und psychischen Vorbereitungszustand gewinnt immer mehr an Bedeutung. 2. Im direkten Zusammenhang mit denen im Punkt 1 beschriebenen Entwicklungen wird die Faehigkeit der Sportler im entscheidenden Wettkampf in individuelle psychische und physische Grenzbereich vorzustossen, zur Grundvoraussetzung fuer internationale Erfolge im Spitzensport. Ausgehend von den Zielstellungen der in diesem Beitrag beschriebenen Untersuchung wurden unter Feld- und Laborbedingungen insgesamt folgende Ergebnisse ermittelt: 1. Die Auswertungen von offenen Befragungen, Explorationen, Einschaetzungen zur subjektiven Befindlichkeit, Beobachtungen und Aussagen des Trainers bestaetigten, dass die Faehigkeit zur volitiven Regulation Einfluss auf die sportliche Leistungsfaehigkeit besitzt. 2. Die Herangehensweise bei der Umsetzung des volitiven Trainingsprogrammes innerhalb des sportlichen Trainings erwies sich mit einer integrativen und adaptiven Variante als leistungsfoerdernd. Dadurch konnten bestimmte Verfahren an Trainingsinhalte angegliedert werden und auch Einfluesse auf den Wettkampf wurden moeglich. 3. Die drei spezifischen Vermittlungs- und Lernphasen fuer das Erarbeiten individueller volitiver Trainingsprogramme zeigten sich infolge ihrer inhaltlichen Gestaltung als methodisch erfolgbringend. Nach Abschluss des Drei-Phasen-Programmes beherrschten alle Probanden ihr individuelles volitives Trainingsprogramm und konnten es variabel im Training und Wettkampf einsetzen. 4. Sowohl unter Feld- als auch unter Laborbedingungen konnte die Wirkungsweise des volitiven Trainingsprogrammes nachgewiesen werden. Unter Feldbedingungen erzielten alle Probanden eine Verbesserung des Entspannungs- und Konzentrationsverhaltens, das zur individuellen Charakterisierung der volitiven Regulation diente. Befragungen nach unterschiedlichen Anforderungssituationen, wie Laufbandtests, Wettkaempfe, Trainingseinheiten oder Entspannungsprogramme bestaetigten diese Aussage. Die unter Laborbedingungen ermittelten Messwerte zur Herz- und Atemfrequenz sowie die Fehlermittelwerte bestaetigten eine verbesserte Regulation der Athleten. 5. Die persoenlichen Bestzeiten konnten innerhalb des Untersuchungszeitraums nur von 6 der 8 Probanden gesteigert werden. Nach eigenen Angaben und nach Auffassung des Trainers kam es jedoch bei allen Sportlern zu einer deutlichen Verbesserung der sportlichen Technik. Diese Ergebnisse sind moeglicherweise durch andere Faktoren beeinflusst. So bleiben die biologische und persoenliche Entwicklung im pubertaeren Alter, die Verletzungen von zwei Athleten, die unterschiedliche Leistungsdichte in den einzelnen Altersklassen sowie sportmethodische Massnahmen zu beruecksichtigen. Die Untersuchungen selbst, vor allem aber der langjaehrige Kontakt zu den Sportlern und die gute Zusammenarbeit mit dem Trainer der Untersuchungsgruppe, erlauben zum Abschluss noch folgende Empfehlungen: 1. Die Erfahrungen der Untersuchung belegen, dass der Einsatz von psychoregulativen Massnahmen nur dann erfolgversprechend ist, wenn die Massnahmen in Abstimmung mit der Leistungs- und Belastungsentwicklung der Sportler im Mikro-, Meso- und Makrozyklus geplant werden. Daraus ergibt sich die Forderung nach einer engen Zusammenarbeit zwischen dem Psychologen und dem Trainer bereits in der konzeptionellen Phase fuer das geplante Training und das psychologische Interventionsprogramm. 2. Der Trainer als wichtigste Bezugs- und Vertrauenspersaon des Sportlers ist bei der Anwendung psychoregulativer Verfahren nicht nur Helfer und Mittler des Psychologen, sondern sollte befaehigt werden, bestimmte Verfahren selbstaendig anzuwenden. Damit koennte eine Regelmaessigkeit und Kontinuitaet bei dem Einsatz der Verfahren gewaehrleistet werden. Verf.-Referat