Weltmeister werden und die Schule schaffen : zur Doppelbelastung von Schule und Leistungstraining

Titel: Weltmeister werden und die Schule schaffen : zur Doppelbelastung von Schule und Leistungstraining
Autor: Richartz, Alfred; Brettschneider, Wolf-Dietrich
Format: Monografie
Medienart: Gedruckte Ressource
Sprache: Deutsch
Veröffentlicht: Schorndorf: Hofmann (Verlag), 1996, 323 S., Lit.
ISBN: 3778088912
Auflage: 1. Aufl.
Schriftenreihe: Schriftenreihe des Bundesinstituts für Sportwissenschaft , Band 89
Schlagworte: Belastungsumfang; Coping; Hochleistungssport; Jugendlicher; Kind; Kinder- und Jugendsport; Sportpädagogik; Stress; Stressbewältigung;
Erfassungsnummer: PU199706205187
Quelle: BISp

Abstract

Die Querschnittsuntersuchung versteht sich als Beitrag zu einer empirisch fundierten Sportpaedagogik, deren Schwerpunkte Untersuchungen zu Lebenslagen, Sinnorientierungen und Entwicklungsprozessen im Kontext von Jugend und Sport sind. Ihre Absicht bestand in der Aufarbeitung des bislang eher vernachlaessigten Teilbereichs jugendlicher Leistungssportlerinnen und Sportler. Konkreter Gegenstand des Forschungsprojekts war die alltaegliche Belastung jugendlicher Hochleistungssportler, die insofern eine Doppelbelastung darstellt, als die Anforderungen, denen sich jugendliche Hochleistungssportler gegenuebersehen, sowohl aus der Schule als auch aus dem Training herruehren. Die in diesem Zusammenhang zentralen Fragen lauteten: 1. Welchen Umfang hat die Doppelbelastung? 2. Wie wird die Doppelbelastung von den Jugendlichen verarbeitet und bewaeltigt? 3. Wird durch die Doppelbelastung eine paedagogisch wuenschenswerte jugendliche Entwicklung verhindert? Da es sich bei Doppelbelastung um ein komplex konstruiertes Geschehen handelt, musste das methodische Vorgehen offen und sensibel genug sein, um die biographische Dimension und die aktuelle Sinngebung der Belastungserfahrungen zu rekonstruieren. Daraus ergab sich eine zweigleisige Anlage des Untersuchungsdesigns: Die Dimension der Anforderungen wurde mit Mitteln der Institutions- und Organisationsanalyse untersucht. Die Dimension der subjektiven Bedeutungs- und Sinnkonstruktion und ihre biographische Genese wurde hingegen durch problemzentrierte, qualitative Interviews erfasst. Befragt wurden Schuelerinnen und Schueler der 8. und 11. Klassen zweier Gesamtschulen und eines Gymnasiums. In der Erhebungsphase des Projekts wurden 39 Interviews gefuehrt, vollstaendig transkribiert und korrigiert. Die Auswertung erfolgte unter zwei einander ergaenzenden Perspektiven: der Fallinterpretation und der qualitativen Inhaltanalyse. Waehrend der Gesamttext eines Interviews in der ersten Perspektive auf dem Hintergrund der staendig wachsenden Kenntnisse einer immer tiefergehenden Analyse unterzogen wurde, wurden in der zweiten Perspektive aus dem Textkorpus Aussagen zu bestimmten Problembereichen und Fragestellungen herausgefiltert und themenspezifisch einander gegenuebergestellt. Auf diese Weise wurde eine querschnittliche Betrachtung in den Kontrastdimensionen der Stichprobe moeglich. Die Analyse der Interviews zeigt, dass Hochleistungssport treibende Jugendliche sich ausserordentlich grossen Anforderungen gegenueber gestellt sehen. So werden in Einzelfaellen Trainingsumfaenge von bis zu 36 Stunden woechentlich erreicht. Nur zwei Jugendliche hatten von Montag bis Freitag deutlich mehr als 20 Stunden freie Zeit. Es wird deutlich, dass Doppelbelastung immer in einer persoenlichen Weise erfahren wird, die wesentlich bestimmt ist durch den Gesamtkomplex von sozialen Beziehungen, psychischer Verfassung und Lebenslage. Zur Bewaeltigung dieser Belastungen greifen die Jugendlichen auf folgende objektive Ressourcen zurueck: 1. Soziale Unterstuetzung durch die Eltern; 2. soziale Unterstuetzung durch Gleichaltrige; 3. die Schule als Stuetzsystem. Als subjektive Ressourcen der Bewaeltigung dienen: 1. Das Selbstbild der schulischen Faehigkeiten und Kompetenzen; 2. das Selbstbild der sportbezogenen Faehigkeiten und Kompetenzen. Schiffer

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