KOGTIG - Kognitive Training in Gehirnerschütterung

Sprache: Deutsch
Leiter des Projekts Finke, Carsten Charité - Universitätsmedizin Berlin / Campus Benjamin Franklin / Klinik für Neurologie mit Experimenteller Neurologie (Tel.: 030/450-560216, carsten.finke at charite.de)
Beteiligte Institutionen: Charité - Universitätsmedizin Berlin / Campus Benjamin Franklin / Klinik für Neurologie mit Experimenteller Neurologie (Forschungseinrichtung)
BMI/BISp (Aktenzeichen: 070106/19-20) (Finanzierung)
Projektlaufzeit: 01/2019 - 12/2020
Schlagworte: Computer; Computersimulation; Diagnostische Verfahren; Eishockey; Fußballspiel; Gehirn; Gehirnerschütterung; Hochleistungssport; Kognition; Kognitionspsychologie; Leistung, kognitive; Leistungssport; Nachhaltigkeit; Neurologie; Neuropsychologie; Rehabilitation; Rehabilitation, posttraumatische; Schädelhirnverletzung; Sportmedizin; Sportpsychologie; Sportspiel; Strategie, kognitive; Training, rehabilitatives; Untersuchung, empirische; Untersuchung, vergleichende
Erfassungsnummer: PR020181200129
Quelle: profi - Projektinformationssystem
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Ziel

Gehirnerschütterungen stellen ein schwerwiegendes Problem in der gesamten Sportwelt dar, wie inzwischen aus zahlreichen Studien zu den neurologischen Langzeitfolgen wiederholter Krafteinwirkungen auf den Kopfbereich bekannt ist. Vor diesem Hintergrund konzentrieren sich aktuelle Forschungsvorhaben zunehmend darauf, die Diagnostik der Gehirnerschütterung in Bezug auf die Schnelligkeit und Treffsicherheit der Diagnosestellung zu verbessern. Während dies dazu beitragen kann, dass Gehirnerschüttungen bei mehr Sportlern als bisher korrekt erkannt werden – mit entsprechender Pausierung der sportlichen Aktivität -, so sind die positiven Auswirkungen auf die kognitive Rehabilitation der Sportler sowohl kurz- als auch langfristig als minimal einzuschätzen. Die hier präsentierte Studie hat zum Ziel, diese Lücke zu schließen, indem sie untersucht, ob Computer-basiertes kognitives Training (CKT) zur Rehabilitation von Sportlern mit Gehirnerschütterung beitragen kann, so wie in anderen Risikogruppen bereits eine verbesserte kognitive Leistungsfähigkeit durch CKT nachgewiesen wurde. Icehockey- und Fußballspielerinnen und -spieler[1] werden durch ihre jeweiligen Vereine auf die Studie aufmerksam gemacht. Nach Einwilligung in die Studienteilnahme und einem ersten Screening werden die Spieler zunächst neuropsychologisch untersucht (Baseline-Untersuchung). All diejenigen Spieler, die im Verlauf einer Saison eine Gehirnerschütterung erleiden, erhalten randomisiert entweder eine dreimonatige CKT oder werden dem im jeweiligen Verein üblichen Protokoll für Gehirnerschütterungen zugeführt (Kontrollgruppe). Alle Sportler, auch diejenigen ohne Gehirnerschütterung, werden im Anschluss wiederum neuropsychologisch untersucht (Follow-Up-Untersuchung). Unsere Hypothese ist, dass diejenigen Spieler mit Gehirnerschütterung, die eine CKT erhalten haben, in diesen neuropsychologischen Untersuchungen besser abschneiden als die Spieler ohne CKT, und in ähnlicher Form für die Spieler ohne Gehirnerschütterung.

Planung

Von April bis Dezember 2018 wird unser Studienteam Sport-Teams und Sportabteilungen kontaktieren, um Vereinbarungen über die Rekrutierung von Spielern zu treffen. Dies geschieht zusätzlich zur Rekrutierung von Spielern über die Klinik von Prof. Dr. med. Bernd Wolfarth. Wenn die Förderung erhalten wurde, wird im Januar 2019 ein Ethik-Antrag eingereicht. Sollte dies nicht geschehen, wird die Zusammenarbeit mit den Sport-Teams für weitere Förderanträge genutzt – sowohl über das BiSP als auch über andere Quellen. Der beantragte Förderzeitraum geht von Januar 2019 bis Dezember 2020. Im Januar werden alle Formalitäten abgeschlossen sein und die Studie wird bei den beteiligten Sportvereinen und Kliniken beworben werden, um die Spielerrekrutierung zu maximieren. Die Studie wird dann innerhalb des betreffenden Sports in je drei konsekutive Phasen unterteilt. Das Studiendesign wurde deswegen so gewählt, damit die Studienbeteiligten den Spielern möglichst viel Zeit zuwenden können und somit eine bestmögliche Rekrutierungsrate und ein minimaler Wegfall an Teilnehmern garantiert ist.
Die erste Phase (Februar bis September 2019) beinhaltet Fußballspieler. In der zweiten Phase (Oktober 2019 bis Juni 2020) werden Eishockey-Spieler untersucht und in der dritten Phase (August bis Dezember 2020) nochmals Fußballspieler. Über den gesamten Zeitraum werden Daten erfasst und analysiert. Außerdem werden Berichte für die Veröffentlichung und deren Verbreitung vorbereitet.

Ergebnisse

Die Ergebnisse dieser Studie könnten weitreichende Konsequenzen haben, da sie sowohl Sportlern helfen, die in ihrer Freizeit spielen, als auch solchen, die den Sport auf höchstem Niveau betreiben. Auf Amateurniveau werden die Ergebnisse den Spielern dabei helfen, besser informierte Entscheidungen zu treffen, was die potentiellen Gefahren eines Gehirnerschütterung betrifft – sollten diese existieren. Außerdem könnten sie die Spieler dazu anregen, Gehirnerschütterung und deren Symptome ernster zu nehmen, insbesondere in Bezug auf eine möglicherweise benötigte Ruhephase. Auf Niveau von Profisportlern könnten unsere Erkenntnisse Sportlern sowie Sportunternehmen dabei helfen, Verträge und Versicherungen auszuhandeln, wobei gleichzeitig ein größeres Augenmerk auf das kurz- und langfristige Wohlergehen der Sportler gelegt werden würde. Außerdem könnte man unser CCT und unsere Bildgebung auch auf ambulante Behandlungszentren und die Rehabilitation von Schädel-Hirn-Trauma Hirns (SHT) generell anwenden, da sich die kognitiven Defizite bei Gehirnerschütterung oder SHT mit unterschiedlicher Ätiology ähneln. Unter diesem Gesichtspunkt wäre es zu begrüßen, wenn die Ergebnisse für Externe über die Medien in der Öffentlichkeit verbreitet werden. An die Spieler selbst könnten diese über die übergreifenden Sportverbände wie den Deutschen Eishockey-Bund und den Deutschen Fußball-Bund sowie das BiSP herangetragen werden. Relevante Ergebnisse müssen auch das medizinische Publikum erreichen und über akademischen Konferenzen und Publikationen in Zeitschriften mit Peer-Review-Prozess kommuniziert werden. Wir hoffen, dass die Ergebnisse dieser Studie weitere Finanzierung ermöglicht, die wiederum größere klinische Studien auf höherem sportlichen Niveau und auch in ambulanten Behandlungszentren erlaubt.

© BISp 2019