Erarbeitung bewegungs- und trainingswissenschaftlicher Empfehlungen und von Ableitungen für das Funktionelle Klassifizierungssystem des International Paralympic Committee (IPC) auf der Grundlage eines komplexen-schwimmspezifischen Untersuchungsverfahrens Kurztitel - Leistungsdiagnostik im Wasser

Sprache: Deutsch
Leiter des Projekts Dr. Schega, Lutz Universität Leipzig / Institut für Rehabilitationssport, Sporttherapie und Behindertensport (Tel.: 0341 /97-31650, Schega at rz.uni-leipzig.de)
Mitarbeiter des Projekts Prof. Dr. Dr. Niklas, Andree
Beteiligte Institutionen: Universität Leipzig / Institut für Rehabilitationssport, Sporttherapie und Behindertensport (Forschungseinrichtung)
BMI/BISp (Aktenzeichen: 070405/01-03) (Finanzierung)
Eigenfinanzierung (Finanzierung)
Projektlaufzeit: 01/2001 - 12/2001
Schlagworte: Behindertensport; Bewegungsverhalten; Elektromyographie; Filmanalyse; Hochleistungssport; Klassifizierung; Leistungsentwicklung; Leistungssport; Paralympics; Schwimmsport; Technik, sportliche; Trainingsbelastung; Videotechnik
Erfassungsnummer: PR020020300119
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Zusammenfassung

Erarbeitung bewegungs- und trainingswissenschaftlicher Empfehlungen und von Ableitungen für das Funktionelle Klassifizierungssystem des International Paralympic Committee (IPC) auf der Grundlage eines komplexen-schwimmspezifischen Untersuchungsverfahrens.

Innerhalb des IPCSSC (International Paralympic Committee Swimming Science Committee) arbeiten seit 1993 Sportwissenschaftler und -mediziner zusammen, um Hauptforschungsthemen im Bereich des Leistungssports zu entwickeln. Zu diesen Forschungsschwerpunkten gehören - focussiert auf den medizinischen und trainingswissenschaftlichen Bereich - u.a. die Klassifikation, die Anwendbarkeit biomechanischer, leistungsphysiologischer etc. Prinzipien, die Leistungsmessung, leistungssteigemde Maßnahmen u.a.m. (vgl. DOLL-TEPPER et al.,1998).
Ausgehend von der Leistungsentwicklung behinderter Athleten beim Schwimmen in den zurückliegenden Jahren, vor allem nach den Paralympics in Atlanta 1996, ist ein Wandel in der Beurteilung des funktionellen Bewegungsverhaltens zu beobachten. Dieser vollzieht sich aufgrund des verstärkten Einsatzes quantitativer Untersuchungsverfahren. Forschung sollte nach Doll Tepper verstärkt auf die "priority research -topics" des IPC (International Paralympic Committee) ausgerichtet sein (zit in SHERILL, 1999). Dies entspricht unserem Arbeitsansatz und zielt auf "mea-surement of performance" und "classification", wobei es grundsätzlich um die "key performance variables" und daraus ableitbarer Informationen geht. Aufgrund der sich im internationalen sowie nationalen Behindertenschwimmen entwickelnden Spitzenathleten aber auch zur Entwicklung einer stärkeren Leistungsbreite fehlen gesicherte Empfehlungen für die Gestaltung eines professionalisierten Übungs- und Trainingsprozesses. Diese sollten auf der Grundlage interdisziplinärer Forschungsansätze und in erweiternder Nutzung bisher verstärkt qualitativer Untersuchungen durch quantitative Evaluierungsverfahren hinreichende Erkenntnisse über schadensspezifische Besonderheiten und funktionelle Fähigkeiten sowie motorische Fertigkeiten der Athleten liefern.
In Erweiterung vorliegender Erdkenntnisse wurde im Sinne der interdisziplinären Herangehensweise an komplexe, bewegungsspezifische Handlungen der simultane Einsatz der Oberflächenelektromyographie zur videogestützten Bewegungsanalyse im Behindertenschwimmen überprüft. Auf dieser Grundlage konnten Aussagen zur:
- methodischen Vorgehensweise bei der Erfassung von EMG im Wasser (SCHEGA & SCHARF, 1999; SCHARF, 1999),
- zur simultanen Erfassung und Bewertung von kinematischen Phasenverläufen ausgewählter Schwimmtechniken und von Aktivierungs- und Aktivitätsniveaus relevanter Muskeln (DALY et al., 2000; MÜHLBAUER, 2000; WARNKE, 2000) und
- zur schadensspezifischen Beurteilung funktioneller Fähigkeiten sowie trainingswissenschaftlichen Einordnung getroffen werden (SCHEGA, 1999; SCHEGA et al., 2000).

Auf der Grundlage eines quasi-experimentellen Untersuchungsdesigns soll der Einfluß individueller Belastungsanforderungen auf Schadens- und funktionsspezifische Beanspruchungsreaktionen durch die simultane Dokumentation konditioneller und koordinativer Parameter im Prä-Post-Test Vergleich beschrieben werden. Ausgangspunkt für objektive Analysen bildet die qualitative Bewegungsanalyse. Die quantitative Analyse kinematischer und elektromyographischer Parameter von in der Klassifikation des IPC der Behinderten ausgewählten Schwimmtechniken - im Mittelpunkt stehen das Brust- und Kraulschwimmen - erfolgt über einen Stufentest im Schwimmkanal. Der Stufentest im Schwimmkanal stellt eine Ausbelastungssituation dar, vergleichbar einer Wettkampfsituation, in der die Athleten ihr Leistungspotential ausschöpfen müssen. Dies gilt als unabdingbare Voraussetzung für die Einschätzung funktioneller Möglichkeiten und Grenzen der Athleten in den einzelnen Funktionsklassen. Es wird das "Verfahren und die Vorrichtung zur Spiroergometrie im Wasser" (NIKLAS et al. 1988) genutzt. Die Spiroergometrie liefert Aussagen bezogen auf die tatsächlichen leistungsphysiologischen Beanspruchungen (Indikatoren: VO2, VC02 , Hf, Pmech, n, 11, u.a.). Mit Hilfe der 2-D- und 3-D-Videoanalyse werden kinematische Kennwerte und Kennlinien erfaßt und in Anlehnung an das Schwimmodell nach JAHNIG, WÜNSCH und WIEGAND (1973) berechnet. Zur Datenaufbereitung wird das SIMI-Motioaie-Softwareprogramm eingesetzt. Die Aufnahme elektromyographischer Befunde wird durch ein Telemetrie-Systen (Fa. Noraxone) gesichert. Eine Auswahl interessierender Muskeln wind entsprechend ihrer vertriebswirksamen Bedeutung für die Schwimmart und nach den funktionellen Möglichkeiten der Schadensart gewählt (muskuläre Funktion und Aktivität, elektrische Aktivität, Koordination und synchronisierte neuromuskuläre Aktivität, Relation zwischen Kraft und elektrischer Aktivität und neuromuskulärer Ermüdung) sowie in Beziehung zur Phasenstruktur der einzelnen Schwimmzyklen dargestellt.
- Probanden: Untersuchungsgruppe (n=20), A -Kader Athleten mit Lähmungen, Amputationen und cerebralen Bewe-gungsstörungen ausgewählter Funktionsklassen; Kontrollgruppe (n=10), Leistungsschwimmer vom OSP Leipzig - Datengewinnung: MZP 1, Intervention - 12 Wochen, MZP 2
- Auswertungsverfahren: deskriptive Statistik, ANOVA, MANOVA, Korrelationsanalysen.

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